8. Mai 2009
Ein Gebilde
Was einstmals brach
Und vielleicht bricht
Es ist zwar wach
Doch ist es nicht
Es lacht nicht
Weint nicht
Es leuchtet zwar
Doch ohne Licht
Ein Gebilde
Nicht Sandstein
Nicht Glas
Es trägt sich allein
Weil es vergaß
Ein Gebilde
Verborgen
Im Seelengewand
Doch feil geboten
In der kindlichen Hand
Es hofft nicht
Hasst nicht
Es ist einfach still
Versteckt vor sich selbst
Weil’s brechen nicht will.
Ein Gebilde
Was schweigt
Und nicht schweigen kann
Welches vergaß
Doch maßt es sich kein vergessen an
Es will nicht
Es wartet nicht
Doch ist es offenbar
Das es sich sehnt
Nach der Liebe Gefahr
Ein Gebilde
Verborgen im Seelengewand
Doch feil geboten
In der kindlichen Hand
Ein Egel
(Voll gesaugt mit Blut)
Dacht sich:
„Ab heute werd ich wirklich gut!”
„Nur Mut, nur Mut!”
Spricht hier das Altruisten- Ich
Das schafft der Egel, wäre herrlich
(Ehrlich!)
Der Egel
(So als Konsumist)
Kauft sich ein ‚N’
Was er nicht frisst
Und näht es zwischen E und G
(Das tut doch weh!)
An seine Schokoladenseite
Taxiert in Länge, Höhe, Breite
Vom neuen Image angetrieben
Will der E-n-GEL jetzt auch fliegen
Und klettert auf nen Weidenbaum
(Aus der Traum?)
Der Egel- eine Sie
(Hieß Heide)
Saß hoheitlich und elegant
Im Wipfel jener Trauerweide
Die Trauerweide- mit dünner Haut
Hatte sehr nah am Wasser gebaut
(Was die sich traut!)
War Lieblingsplatz vom Altruist
Und jener saß in ihrem Schatten
Die Füße im klaren Wasser- (verharrend)
Als von Manie gepackt- die Heide
Sich stürzte von der Trauerweide
Plitsch- platsch
(Ach Heide, das war großer Quatsch!)
Landet der Egel zum guten Schluss
Auf dem rettenden Menschenfuß
Und da die Heide nicht ertrinkt
(Jetzt folgt Instinkt!)
Tut sie was Egel tun- und frisst
Am großen Zeh vom Altruist
Dieser denkt:
„Das ist doch Mist!”
(Er hätte ihr sogar Flügel geschenkt!)
Nur letztlich bleibt man das, was man ist
(Egal wie sehr man das Äußere verrenkt!)
Sehnsuchtsblau
In nächtlichen Stunden
Schimmerten Sterne in Augen
Die auf ewig schienen verbunden
Sehnsuchtsvoll
In Laken, durchwühlt
Lag ich wach
Bedachte, was man jemals gefühlt
Sehnsuchtsblau
In so vielen Nächten
Wo kein Denken mehr schwieg
Gedanken, die stetig nur neue brächten
Hab ich mein Leben geliebt
Wir legen uns eigene Ketten an
Und fragen uns wann
Unsre Betten zu Gräbern werden
Wir legen uns eigene Fesseln an
Die niemand lösen kann
In Sesseln vorm Fernseher sterbend
Wir legen uns eigene Knebel an
Die niemand bewegen kann
Und schweigen in alle Zeit
Wir wickeln uns selbst in ein Leichentuch
Verwelken, verrotten, im ewigen Fluch
Anstatt die Fäuste zu heben
Unter welchem Stern wurd ich geboren?
Das Herz und Seele mir erfroren
Unter welchem Stern nur kämpfe ich?
Wofür, warum- es scheint vergeblich
Unter welchem Stern weilt eine Liebe?
Die für und mit mir- bei mir bliebe
Unter welchem Stern find ich Gerechtigkeit?
Der Stern scheint mir unendlich weit
Ich bin Wachs in Deinen Händen
Wenn ich schon denk an Dich
An die Tiefe Deiner Augen
In denen ich die Sehnsucht fand
Und auch begehr
Drum will ich Dir nie mehr
Begegnen
Und will es doch
Ich will es doch
Aber nein
Nein
Hat Dir jemand gesagt, dass Du es richtig machst?
Du bist richtig
Du bist mir wichtig
Die erste Nacht
In Deinen Armen
Es war anders
Es war nicht ‚normal’
Nicht so, wie Erwachsene
Üblicherweise in ersten Nächten sind
Es war anders
Es war richtig
Vor der ersten Nacht, dachte ich anders!
Du bist richtig
Jetzt bist Du mir wichtig
Nachdem ich Dich wohlverpackt in eine Schublade steckte.
Die erste Nacht
In Deinen Armen
Es war anders
Nicht so, wie Erwachsene
Üblicherweise in ersten Nächten sind
Ich frage mich:
Steckt in ‚Üblicherweise’
Nicht das Wort Übel?
Du bist anders
Du bist richtig
Es fühlt sich an
Und es ist richtig
Küss mir die Stirn
Und bleib
Nicht zum Zeitvertreib
Sondern ganz
Zwei, die sich ihre Liebe teilen
Zwei, deren Seelen verweilen
Zwei, die sich fanden und finden
Zwei, die sich im Einklang verbinden
Ich bleib
Mit Herz und Leib
Bei dir
Halt meine Hand
Und bleib
Nicht zum Zeitvertreib
Sondern ganz
Zwei, die sich ihre Liebe teilen
Zwei, deren Seelen verweilen
Zwei, die sich fanden und finden
Zwei, die sich im Einklang verbinden
Ich bleib
Mit Herz und Leib
Bei dir
Bewach meinen Schlaf
Und bleib
Nicht zum Zeitvertreib
Sondern ganz
Zwei, die sich ihre Liebe teilen
Zwei, deren Seelen verweilen
Zwei, die sich fanden und finden
Zwei, die sich im Einklang verbinden
Ich bleib
Mit Herz und Leib
Bei dir
Prometheus kann nicht verlieren
Es friert- es friert- es friert
Schrein’ die heuchlerischen Truppen
Sie sind zu viert
Als sie die Kind’ samt Puppen
Im modrigen Wald verscharrn’
Es friert- es friert- es friert
Schrein’ die heuchlerischen Menschen
Sie sind verkehrt
Wenn sie des Teufels Fähnchen
Am Giebel lassen wehn’
Es friert- es friert- es friert
Schrein’ heuchlerische Familien
Sie sind entehrt
Beschmutzen sie doch die Lilien
Die sie einstmals sollten sein
Lass sie frieren
Bis die Augen vom Frost so klar
Endlich sehen, dass sie so sonderbar
Die letzte Würde verlieren
Lass sie starren
Bis die Augen im Krampfe voll Tränen
Endlich sehen, dass ihr morbides gebaren
Der Grund ist für wirkliches Schämen
Lass sie leiden
Bis die Augen vom starren so leer
Endlich sehen, die Wahrheit, die sie meiden
War mehr als die Lüge- war mehr
Lass sie ziehn’- lass sie ziehn’ - lass sie ziehn’
Sie wurden der Hölle entliehn’
Haben jegliches Mensch sein bespieen
Sind wie Unrat stinkend gediehen
Rafften das Gute dahin
Mit der Lüge als Medizin
Die kleine Ballerina in der Mitte der hölzernen Spieluhr, sie dreht sich im Kreise. Immer und immer wieder.
Ein verzauberte Prinzessin in ihrem Puppenheim, gekettet an Holz und Metall.
Sie dreht sich um sich selbst, um die Welt und die Galaxis.
Und jeder einzelne Ton der klingenden und um sich selbst drehenden Ballerina, gefangen in ihrer Spieluhr, lädt ein diese Welt zu verlassen und ihr in die Gefilde des Puppenheims zu folgen.
Willkommen im Universum der stummen Tänzerin.
Geöffnet sind Tür und Tor, die Treppe führt hinab.
Zwischen schwebenden Kinderseelen verschwindet die Treppe in einer dunklen Ecke und man hört ihren leisen Verfall zu Staub. Ganz leise.
Es ist der Widerspruch eines Geräusches, es ist eher ein Gefühl. Eine Gewissheit, die die von der Materie befreite Seele umhüllt.
Eine Seele, die zuvor den Mantel des Vergessens zu tragen sich sehnte.
Im Puppenheim gibt es keine Spiele. Die Seele wird in die Zwangsjacke der Gewissheit gesperrt und wird somit ein Teil der Galaxie dieser Realität.
Der Realität, die neben der Realität den gleichen Bestand und ein Anrecht hat, ein Anrecht auf die Realität neben der Realität.
Es dreht sich im Kreise. Schneller und schneller.
Taumelnd schwebende Kinderseelen, Sterne und die Klänge der Spieluhr in monotoner Wiederkehr, die sich Stück für Stück in die Seele des Selbst bohren.
Blitzlichter geeint in Blut, in Sekunden, Tagen und Jahren.
Es hämmert, es schreit, es tobt, es weint.
Jeder Befreiungsversuch aus der Zwangsjacke der Gewissheit, lässt die sich drehende Realität des Puppenheims nur anschwellen.
Es verstummt nicht, es darf nicht verstummen und die Stimmen, sie verwandeln sich in klagende Messerstiche, die keiner Materie bedürfen um den Akt des Tötens zu vollziehen.
Die vom Fleisch befreite Seele wird im Strudel der Realität empor gehoben, gewirbelt, gedreht. Fast scheint es ein Spiel zu sein.
Im Puppenheim gibt es keine Spiele.
Empor gehoben, schwebend, drehend um wieder in die Bodenlosigkeit der Realität geschmettert zu werden.
In monotoner Wiederkehr.
Geöffnet waren Tür und Tor, eine Treppe führte hinab.
Im Puppenheim gab es niemals Spiele.