8. Mai 2009

Ein Blick hinter die Fassade

Kategorie: Lyrik (BAND 8) Andersland- ab 2009 — rubinblut @ 22:46

Ein Gebilde

Was einstmals brach

Und vielleicht bricht

Es ist zwar wach

Doch ist es nicht

Es lacht nicht

Weint nicht

Es leuchtet zwar

Doch ohne Licht

Ein Gebilde

Nicht Sandstein

Nicht Glas

Es trägt sich allein

Weil es vergaß

Ein Gebilde

Verborgen

Im Seelengewand

Doch feil geboten

In der kindlichen Hand

Es hofft nicht

Hasst nicht

Es ist einfach still

Versteckt vor sich selbst

Weil’s brechen nicht will.

Ein Gebilde

Was schweigt

Und nicht schweigen kann

Welches vergaß

Doch maßt es sich kein vergessen an

Es will nicht

Es wartet nicht

Doch ist es offenbar

Das es sich sehnt

Nach der Liebe Gefahr

Ein Gebilde

Verborgen im Seelengewand

Doch feil geboten

In der kindlichen Hand

Metamorphose

Kategorie: Lyrik (BAND 8) Andersland- ab 2009 — rubinblut @ 22:44

Ein Egel

(Voll gesaugt mit Blut)

Dacht sich:

„Ab heute werd ich wirklich gut!”

„Nur Mut, nur Mut!”

Spricht hier das Altruisten- Ich

Das schafft der Egel, wäre herrlich

(Ehrlich!)

Der Egel

(So als Konsumist)

Kauft sich ein ‚N’

Was er nicht frisst

Und näht es zwischen E und G

(Das tut doch weh!)

An seine Schokoladenseite

Taxiert in Länge, Höhe, Breite

Vom neuen Image angetrieben

Will der E-n-GEL jetzt auch fliegen

Und klettert auf nen Weidenbaum

(Aus der Traum?)

Der Egel- eine Sie

(Hieß Heide)

Saß hoheitlich und elegant

Im Wipfel jener Trauerweide

Die Trauerweide- mit dünner Haut

Hatte sehr nah am Wasser gebaut

(Was die sich traut!)

War Lieblingsplatz vom Altruist

Und jener saß in ihrem Schatten

Die Füße im klaren Wasser- (verharrend)

Als von Manie gepackt- die Heide

Sich stürzte von der Trauerweide

Plitsch- platsch

(Ach Heide, das war großer Quatsch!)

Landet der Egel zum guten Schluss

Auf dem rettenden Menschenfuß

Und da die Heide nicht ertrinkt

(Jetzt folgt Instinkt!)

Tut sie was Egel tun- und frisst

Am großen Zeh vom Altruist

Dieser denkt:

„Das ist doch Mist!”

(Er hätte ihr sogar Flügel geschenkt!)

Nur letztlich bleibt man das, was man ist

(Egal wie sehr man das Äußere verrenkt!)

Sehnsuchtsblau

Kategorie: Lyrik (BAND 8) Andersland- ab 2009 — rubinblut @ 22:39

Sehnsuchtsblau

In nächtlichen Stunden

Schimmerten Sterne in Augen

Die auf ewig schienen verbunden

Sehnsuchtsvoll

In Laken, durchwühlt

Lag ich wach

Bedachte, was man jemals gefühlt

Sehnsuchtsblau

In so vielen Nächten

Wo kein Denken mehr schwieg

Gedanken, die stetig nur neue brächten

Hab ich mein Leben geliebt

Für ein freies Leben

Kategorie: Lyrik (BAND 8) Andersland- ab 2009 — rubinblut @ 22:37

Wir legen uns eigene Ketten an

Und fragen uns wann

Unsre Betten zu Gräbern werden

Wir legen uns eigene Fesseln an

Die niemand lösen kann

In Sesseln vorm Fernseher sterbend

Wir legen uns eigene Knebel an

Die niemand bewegen kann

Und schweigen in alle Zeit

Wir wickeln uns selbst in ein Leichentuch

Verwelken, verrotten, im ewigen Fluch

Anstatt die Fäuste zu heben

Unter

Kategorie: Lyrik (BAND 8) Andersland- ab 2009 — rubinblut @ 22:34

Unter welchem Stern wurd ich geboren?

Das Herz und Seele mir erfroren

Unter welchem Stern nur kämpfe ich?

Wofür, warum- es scheint vergeblich

Unter welchem Stern weilt eine Liebe?

Die für und mit mir- bei mir bliebe

Unter welchem Stern find ich Gerechtigkeit?

Der Stern scheint mir unendlich weit

Ich bin Wachs in Deinen Händen

Kategorie: Lyrik (BAND 8) Andersland- ab 2009 — rubinblut @ 22:32

Ich bin Wachs in Deinen Händen

Wenn ich schon denk an Dich

An die Tiefe Deiner Augen

In denen ich die Sehnsucht fand

Und auch begehr

Drum will ich Dir nie mehr

Begegnen

Und will es doch

Ich will es doch

Aber nein

Nein

Du

Kategorie: Lyrik (BAND 8) Andersland- ab 2009 — rubinblut @ 22:30

Hat Dir jemand gesagt, dass Du es richtig machst?

Du bist richtig

Du bist mir wichtig

Die erste Nacht

In Deinen Armen

Es war anders

Es war nicht ‚normal’

Nicht so, wie Erwachsene

Üblicherweise in ersten Nächten sind

Es war anders

Es war  richtig

Vor der ersten Nacht, dachte ich anders!

Du bist richtig

Jetzt bist Du mir wichtig

Nachdem ich Dich wohlverpackt in eine Schublade steckte.

Die erste Nacht

In Deinen Armen

Es war anders

Nicht so, wie Erwachsene

Üblicherweise in ersten Nächten sind

Ich frage mich:

Steckt in ‚Üblicherweise’

Nicht das Wort Übel?

Du bist anders

Du bist richtig

Es fühlt sich an

Und es ist richtig

Bleib

Kategorie: Lyrik (BAND 8) Andersland- ab 2009 — rubinblut @ 22:29

Küss mir die Stirn

Und bleib

Nicht zum Zeitvertreib

Sondern ganz

Zwei, die sich ihre Liebe teilen

Zwei, deren Seelen verweilen

Zwei, die sich fanden und finden

Zwei, die sich im Einklang verbinden

Ich bleib

Mit Herz und Leib

Bei dir

Halt meine Hand

Und bleib

Nicht zum Zeitvertreib

Sondern ganz

Zwei, die sich ihre Liebe teilen

Zwei, deren Seelen verweilen

Zwei, die sich fanden und finden

Zwei, die sich im Einklang verbinden

Ich bleib

Mit Herz und Leib

Bei dir

Bewach meinen Schlaf

Und bleib

Nicht zum Zeitvertreib

Sondern ganz

Zwei, die sich ihre Liebe teilen

Zwei, deren Seelen verweilen

Zwei, die sich fanden und finden

Zwei, die sich im Einklang verbinden

Ich bleib

Mit Herz und Leib

Bei dir

Prometheus kann nicht verlieren

Kategorie: Lyrik (BAND 8) Andersland- ab 2009 — rubinblut @ 22:27

Prometheus kann nicht verlieren

Es friert- es friert- es friert

Schrein’ die heuchlerischen Truppen

Sie sind zu viert

Als sie die Kind’ samt Puppen

Im modrigen Wald verscharrn’

Es friert- es friert- es friert

Schrein’ die heuchlerischen Menschen

Sie sind verkehrt

Wenn sie des Teufels Fähnchen

Am Giebel lassen wehn’

Es friert- es friert- es friert

Schrein’ heuchlerische Familien

Sie sind entehrt

Beschmutzen sie doch die Lilien

Die sie einstmals sollten sein

Lass sie frieren

Bis die Augen vom Frost so klar

Endlich sehen, dass sie so sonderbar

Die letzte Würde verlieren

Lass sie starren

Bis die Augen im Krampfe voll Tränen

Endlich sehen, dass ihr morbides gebaren

Der Grund ist für wirkliches Schämen

Lass sie leiden

Bis die Augen vom starren so leer

Endlich sehen, die Wahrheit, die sie meiden

War mehr als die Lüge- war mehr

Lass sie ziehn’- lass sie ziehn’ - lass sie ziehn’

Sie wurden der Hölle entliehn’

Haben jegliches Mensch sein bespieen

Sind wie Unrat stinkend gediehen

Rafften das Gute dahin

Mit der Lüge als Medizin

Puppenheim…(Kapitel 3 aus Null)

Kategorie: Sombres desirs- Düstere Sehnsucht — rubinblut @ 22:23

Die kleine Ballerina in der Mitte der hölzernen Spieluhr, sie dreht sich im Kreise. Immer und immer wieder.

Ein verzauberte Prinzessin in ihrem Puppenheim, gekettet an Holz und Metall.

Sie dreht sich um sich selbst, um die Welt und die Galaxis.

Und jeder einzelne Ton der klingenden und um sich selbst drehenden Ballerina, gefangen in ihrer Spieluhr, lädt ein diese Welt zu verlassen und ihr in die Gefilde des Puppenheims zu folgen.

Willkommen im Universum der stummen Tänzerin.

Geöffnet sind Tür und Tor, die Treppe führt hinab.

Zwischen schwebenden Kinderseelen verschwindet die Treppe in einer dunklen Ecke und man hört ihren leisen Verfall zu Staub. Ganz leise.

Es ist der Widerspruch eines Geräusches, es ist eher ein Gefühl. Eine Gewissheit, die die von der Materie befreite Seele umhüllt.

Eine Seele, die zuvor den Mantel des Vergessens zu tragen sich sehnte.

Im Puppenheim gibt es keine Spiele. Die Seele wird in die Zwangsjacke der Gewissheit gesperrt und wird somit ein Teil der Galaxie dieser Realität.

Der Realität, die neben der Realität den gleichen Bestand und ein Anrecht hat, ein Anrecht auf die Realität neben der Realität.

Es dreht sich im Kreise. Schneller und schneller.

Taumelnd schwebende Kinderseelen, Sterne und die Klänge der Spieluhr in monotoner Wiederkehr, die sich Stück für Stück in die Seele des Selbst bohren.

Blitzlichter geeint in Blut, in Sekunden, Tagen und Jahren.

Es hämmert, es schreit, es tobt, es weint.

Jeder Befreiungsversuch aus der Zwangsjacke der Gewissheit, lässt die sich drehende Realität des Puppenheims nur anschwellen.

Es verstummt nicht, es darf nicht verstummen und die Stimmen, sie verwandeln sich in klagende Messerstiche, die keiner Materie bedürfen um den Akt des Tötens zu vollziehen.

Die vom Fleisch befreite Seele wird im Strudel der Realität empor gehoben, gewirbelt, gedreht. Fast scheint es ein Spiel zu sein.

Im Puppenheim gibt es keine Spiele.

Empor gehoben, schwebend, drehend um wieder in die Bodenlosigkeit der Realität geschmettert zu werden.

In monotoner Wiederkehr.

Geöffnet waren Tür und Tor, eine Treppe führte hinab.

Im Puppenheim gab es niemals Spiele.